1. Einleitung

Seit Jahrtausenden steht das Pferd im Dienst des Menschen. Seine physischen und psychischen Eigenarten waren natürliche Voraussetzungen für seine Domestikation und somit für seine Nutzung als Arbeitstier.

Als Last- und Zugtier hat es unbestreitbar einen großen Anteil an der Geschichte aller Kulturvölker. Als das schnellste Transportmittel für Menschen und Lasten über längere Entfernungen nahm es eine erstrangige Stellung unter den Haustieren ein, obwohl es im Vergleich zu anderen Tieren erst spät domestiziert wurde. Viel Wert wurde in vergangenen Zeiten auf die Züchtung von Pferden zu Repräsentationszwecken gelegt. Auch die Militärgeschichte ist besonders eng mit der Geschichte der Pferdezucht verknüpft. So prägten sich als Zug- und Reittier die verschiedensten Rassen und Typen in den jeweiligen Zuchtgebieten aus, abhängig von den natürlichen Bedingungen und der Nutzungsart. Es veränderte sich von Epoche zu Epoche, immer den Bedürfnissen angepaßt und züchterisch bearbeitet. Das Pferd galt bis Anfang des 20. Jahrhunderts als unersetzbar, besonders aus der Landwirtschaft konnte man es sich schwer wegdenken.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ersetzten bald motorgetriebene Maschinen das Pferd in der Industrie und im Militärwesen in Europa. In der zweiten Hälfte verdrängte die Mechanisierung das Pferd auch aus der Landwirtschaft. Doch das Pferd war an der Seite des Menschen nicht mehr wegzudenken. Als Freizeit- und Sportkamerad eroberte es sich einen neuen Platz, in der kapitalistischen wie auch in der sozialistischen Gesellschaft. In den europäischen Warmblutzuchtgebieten veränderte sich das Zuchtziel, man orientierte jetzt auf Reit- und Sportpferde.
Mecklenburg hatte schon im vergangenen Jahrhundert eine berühmte Reitpferdezucht. Neben der bäuerlichen Zucht von Wirtschaftspferden existierte auf den großen Gütern eine in ganz Deutschland anerkannte Jagd- und Rennpferdezucht. Auch die Remonten für das Militär wurden bevorzugt aus Mecklenburg geholt. Leider erlebte diese Zucht durch zu starke Einkreuzung von Englischem Vollblut gegen Ende des 19. Jahrhunderts einen Einbruch. Da in vorherigen guten Zeiten viele Mecklenburger Hengste in das Zuchtgebiet Hannover exportiert worden waren und dort die Hannoveraner Warmblutzucht mitbegründet hatten, konnte man nun auf die Hannoveraner zurückgreifen, um die Zucht des Mecklenburgers wieder zu stabilisieren. Mecklenburg wurde so ein Nachzuchtgebiet von Hannover und seine Pferdezucht stand bis zum Zweiten Weltkrieg der Hannovers in nichts mehr nach.
Aber auch vor Mecklenburg machte nach dem Zweiten Weltkrieg die Technisierung nicht halt. Der neu entstandene sozialistische Staat im Osten Deutschlands stand genauso vor der Frage: was wird aus unseren Pferden?, wie sein kapitalistisch gebliebener Nachbar Westdeutschland. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges haben sich viele Veränderungen in der mecklenburger Pferdezucht vollzogen. 40 Jahre Sozialismus kann und darf man nicht einfach aus der Geschichte streichen, als hätte es sie nicht gegeben. Die in der DDR gezüchteten Pferde bilden heute die Grundlage für Reit- und Sportpferdezucht unter internationalen marktwirtschaftlichen Bedingungen. Es steht die Frage, ob das Mecklenburger Warmblut sich unter den vielen anderen Wamblutrassen behaupten kann und trotzdem seine Identität behält. Die Geschichte der Pferdezucht nach 1945 ist deshalb Gegenstand dieser Arbeit