2.1. Die Ausgangssituation

Die Pferdezuchtgebiete Mecklenburg und Vorpommern waren durch den Zweiten Weltkrieg sehr in Mitleidenschaft gezogen worden.

Fast 70% des Zuchtpferdebestandes waren verloren gegangen (UPPENBORN 1977). Wertvolle Zuchtunterlagen waren nicht mehr auffindbar.
Der westliche Teil Mecklenburgs war bis zum 30.6.1945 von den britischen Streitkräften besetzt. Im Juni noch wurde der damalige Landstallmeiser von Redefin, H. Köhler, durch die Briten interniert. Ab 1.7.1945 gehörte auch dieser Teil Mecklenburgs, entsprechend dem Potsdamer Abkommen, zur sowjetischen Besatzungszone.
Laut HELLERUNG (1990) wurden nach Kriegsende 172 Redefiner Hengste als Reparation in die Sowjetunion transportiert. Nur 13 Beschäler konnten für die Mecklenburger Zucht erhalten werden. Das Landgestüt Redefin war vom Herbst 1945 bis Mitte 1948 von der sowjetischen Militäradministration besetzt.
Auch der größte Teil des Zuchtmaterials aus Pommern war verloren gegangen. So wurden u. a. 50 Deckhengste aus dem Gestüt Georgenburg und 500 Zuchtstuten aus dem Gestüt Perlin, die aus Ostpreußen evakuiert worden waren, in die Sowjetunion transportiert. Nur 6 Hengste des Landgestütes Labes konnten erhalten werden. (OESE und FLADE 1992).
Eine nicht genau festzustellende Anzahl von Pferden der ostpreußischen Zucht, die fast ausschließlich mit den Flüchtlingstrecks in das Gebiet der sowjetischen Besatzungszone gekommen waren, befand sich nach Kriegsende in Mecklenburg. Dieses Material stammte zwar aus den unterschiedlichsten Zuchtebenen, war aber dennoch eine große Bereicherung für dieses Zuchtgebiet.
Mecklenburg- Vorpommern wurde territorial der sowjetischen Besatzungszone zugeordnet. Im Westen kam der auf der rechten Seite der Elbe gelegene hannoversche Deckstellenbereich Neuhaus/ Elbe dazu. Hier befand sich ein wertvoller, auf rein hannoverscher Grundlage gezüchteter Pferdebestand. Im Osten kamen die auf der linken Seite der Oder liegenden, bis dahin pommerschen Zuchtgebiete mit den Kreisen Stralsund, Grimmen, Demmin, Anklam und Greifswald hinzu. Das so entstandene geschlossene Zuchtgebiet Mecklenburg- Vorpommern wird im Westen durch die Elbe, im Norden durch die Ostsee, im Osten durch die Oder und im Süden durch eine Linie von Wittenberg über Templin nach Prenzlau begrenzt.