3.3. Die Zucht des Warmbluts Trakehner Abstammung in Mecklenburg- Vorpommern und ihr Einsatz zur Veredlung des Mecklenburger Warmbluts

Während des zweiten Weltkrieges und nach Kriegsende waren eine größere Anzahl reinrassiger Trakehnerstuten und Stuten des Ostpreußischen Warmblutsnach Mecklenburg- Vorpommern gelangt.

Sie wurden als "Warmblut Trakehner Abstammung" bezeichnet. Bei der Umzüchtung vom Wirtschafts- zum Reitpferd ab Ende der fünfziger Jahre spielten sie eine große Rolle.
Im Institut für Tierzucht Dummerstorf erkannte man frühzeitig die Notwendigkeit der Umzüchtung zum Sportpferd und so begann man 1953 mit dem Aufbau einer Population des Warmblutpferdes Trakehner Abstammung. Dieses Institut wurde zum ersten Großbetrieb in der DDR, der Trakehner in Reinzucht weiterzüchtete.
Aus einem Bestand von 54 Hengsten, die vor 1945 geboren wurden und deren Abstammung bekannt war, wurden geeignete Beschäler ausgewählt (FLade 1988). Von ihnen erlangte der 1935 geborene Hengst "Albatros" von "Alaskafuchs" große Bedeutung. Sein Sohn "Albatsohn", geboren 1955, wurde einer der bedeutendsten Vererber in der ostdeutschen Warmblutzucht. Der Stutenbestand pegelte sich auf 16 - 20 Stuten ein.
Der gesamte Bestand an Trakehnern ging 1965 an den Fohlenhof in Ganschow und wurde von dem 1969 daraus gebildeten selbständigen Volkseigenen Gestüt übernommen. Eine Aufgabe des Gestütes wurde so die Erhaltung einer reinrassigen Trakehnerzucht im Sinne einer Genreserve zur Veredlung des bodenständigen Warmbluts. Zu den 15 Stuten aus Dummerstorf gesellten sich weitere Stuten aus den VEG Gustävel und Groß Voigtshagen, sowie später aus dem Vollblutgestüt Graditz und dem Gestüt Neustadt/ Dosse (HENSCHLER 1987). 1969 standen 44 Trakehner Stuten und 30 Warmblutstuten in Ganschow. In dieser ersten Zuchtperiode waren die bedeutendsten Hengste "Altgesell" von "Altsilber" aus dem Landgestüt Georgenburg (Ostpreußen) und Almanach von Abendstern aus der berühmten Tempelhüterlinie (geb. 1953 Fallingbostel/ BRD).
Zur Blutauffrischung wurden später Trakehner Hengste aus der UdSSR und der VR Polen gekauft oder getauscht. So kamen folgende Hengste in Ganschow zum Einsatz:

  • "Tower" von "Flower" - "Erfinder", geb. 1957 in Polen
  • "Labyrint" von "Belizar" - "Pyrrhus", geb. 1962 in Polen
  • "Wespazian" von "Hunnenkönig" - "Sandort", geb. 1959 in Polen
  • "Colombo" von "Aquino" - "Hunnenkönig", geb. 1960 in Polen
  • "Eol" von "Ostrjak" - "Expromt", geb. 1970 in der UdSSR

sowie der 1974 im Gestüt Kirow am Don geborene "Trafaret" von "Almanach" - "Topol ox": Dieser Hengst wurde in Ganschow aufgezogen und steht heute noch der Mecklenburger Zucht zur Verfügung.
Ab 1969 wurde in Ganschow die Zucht des Edlen Warmbluts forciert. Das Gestüt übernahm die Aufgabe, Hengstanwärter für die Warmblutzucht aufzuziehen. Ab 1974 übernahm Ganschow die Lehrlingsausbildung für Facharbeiter für Pferdezucht und Leistungsprüfung.
1986 gab es in Ganschow bereits 60 Trakehner Stuten und 90 Warmblutstuten. Insgesamt umfaßte der Pferdebestand 600 Tiere. Nun deckten hier auch Hengste, die in der DDR gezüchtet wurden (Henschler 1988):

  • "Alarm" von "Neujahr" - "Klingsor", geb. 1971
  • "Vers" von "Neujahr" - "Polarkreis", geb. 1971
  • "Altan" von "Vers I" - "Ralf", geb. 1977
  • "Fabulist" von "Ralf" - "Polarkreis", geb. 1980:

Als 1966 das verbindliche Zuchtziel für Edle Warmblutpferde der DDR in der TGL 80 -21241 formulierte wurde, hieß es unter Blutführung: Hannoversche und Trakehner Blutgrundlage und nach Bedarf auch Englisches und Arabisches Vollblut (WITT 1984).
Daraus wird ersichtlich, daß bei der Züchtung eines vielseitigen Reitpferdes aus dem Wirtschaftspferdetyp, in großem Maße Trakehner Blut zur Veredlung eingesetzt werden sollte.
Bis 1969 wurden Hengste Trakehner Abstammung hauptsächlich für die Erhaltung und Festigung der Reinzuchtpopulation eingesetzt. Von 1965 bis 1968 betrug hr Anteil um die 11% zum Gesamthengstbestand. Als 1969 die Umgruppierung der Hengste zugunsten der Veredlerrassen vorgenommen wurde, wurden die Trakehner, die in der Landespferdezucht eingesetzt werden sollten, in das Deckstationenverzeichnis aufgenommen. Von diesem Jahr an nahm ihre Anzahl ständig zu und erreichte 1973 mit 45,2 % zum Gesamthengstbestand ihren höchsten Stand. WITT (1978) gibt folgende Gründe für den starken Einsatz von Trakehner Hengsten bei der Veredlung des bodenständigen Mecklenburger Warmbluts an:
Trakehner zeichnen sich durch eine harte Konstitution aus. Sie sind auf Grund der vererbten Anlagen und einer gesunden Aufzucht sehr widerstandsfähig, ausdauernd und anspruchslos gegenüber Umwelteinflüssen und hohen Leistungsanforderungen. Sie zeichnen sich durch eine gute Gleichgewichtshaltung im Gelände, hohe Gangsicherheit, Springfreudigkeit und gute Dressurfähigkeit aus. Die in der abgeschlossenen Reinzucht mit jedem Generationswechsel zunehmende Homozygotie und damit die Abnahme der genetischen Varianz sichern bei entsprechender Selektion die Erhaltung und Weiterentwicklung der für den Sport wichtigen Merkmale und Eigenschaften. Untersuchungen ergaben, daß Kreuzungstiere aus Trakehnern und Warmblütern in der ersten Generation in ihren Durchschnittsleistungen in Dressur und Springen den reingezogenen Warmblütern überlegen waren.
In den folgenden Jahren ging der Anteil der Trakehnerhengste zum Gesamthengstbestand deutlich zurück, um eine zu starke Veredlung zu vermeiden. Allerdings traten nun auch vermehrt die Kombinationsprodukte aus den Anpaarungen Warmblut mit Trakehner in Erscheinung.
1978 deckten insgesamt 15 Hengste Trakehner Abstammung im Territorium der PZD Nord (18,5% des Gesamthengstbestandes). Drei Hengste davon deckten im VEG Ganschow ("Trafaret", "Alarm" und "Opal") und 12 in der Landespferdezucht. Sie gehörten folgenden Linien an (WITT 1978):

Linie

Dampfroß

Master Magpie xx

Perfektionist xx

Obelisk

Parsival

Hirtenknabe

Anarch xx

Anzahl

4

3

2

2

2

1

1

Bis 1985 sank die Anzahl auf nur 6 Hengste Trakehner Abstammung auf dem Gebiet von Mecklenburg - Vorpommern (BASLER 1990). Anscheinend wurde der negative Einfluß des Trakehner Blutes auf einige für die Reitpferdeeignung entscheidende Merkmale erkannt. In einer statistischen Untersuchung im Rahmen einer Diplomarbeit, durchgeführt von BASLER 1990, wurde belegt, daß der zahlenmäßig hohe Einsatz von Trakehnern in den Jahren 1970 - 1980 negative Auswirkungen auf Mittelhand, Vorder- und Hintergliedmaßen und bei Blutanteilen über 50% auch auf Hinterhand und Bewegungsablauf hatte. Positiven Einfluß hatten die Trakehner lediglich auf die Schönheit des Edlen Warmblutpferdes.
Diese Fakten sind vor allem darauf zurückzuführen, daß es seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges keine bodenständige Trakehnerzucht mehr gab. Es konnten nur Restbestände vom ostpreußischen Zuchtmaterial erhalten und vermehrt werden. Es ist schwer festzustellen, welche Qualität dieses Zuchtmaterial im Verhältnis zur ursprünglichen Trakehnerzucht in Ostpreußen hat. Außerdem war der Bestand an reinrassigen Trakehnern zu gering, um damit eine Zucht betreiben zu können. Dieser Rasse ist mit dem Verlust ihres Zuchtgebietes auch ihre Bodenständigkeit verloren gegangen. Rassen werden aber im großen Maße von den Umwelteinflüssen ihres Zuchtgebietes geprägt. Etwas "Blut" der Rasse Trakehner Warmblut konnte erhalten werden. Die Qualität der ostdeutschen Trakehnerpopulation sowie auch die Drift innerhalb einer so kleinen Population sind zu beachten, wenn man Pferde dieser Rasse zur Veredlung der bodenständigen Warmblutrassen einsetzt.
Im Zuchtziel war für das Warmblut Trakehner Abstammung, verbindlich ab 01.05.1989, wird besonders Wert auf folgende Eigenschaften und Merkmale dieser Rasse gelegt: sehr konstitutionshart, schnelles Regenerationsvermögen nach Belastung und zeitlich begrenzter Überbelastung, besondere Eignung für Militäry und Dressur, im vollkommenen Gleichgewicht ablaufende Bewegungen und besonders elastische Gangmechanik (siehe Anlage 6).