5. Die Zucht von Ponies, Kleinpferden und Spezialrassen in Mecklenburg- Vorpommern

In der DDR hatte die Zucht von Ponies, Kleinpferden und Spezialrassen keine so große Bedeutung, wie die Zucht des Edlen Warmbluts. Im Tuniersport kamen kaum andere Rassen zum Einsatz.

Meistens wurden Ponies und Kleinpferde von privaten Liebhabern gehalten und gezüchtet
Seit 1972 wurden im Bereich der PZD Nord Haflinger gezüchtet. Diese Rasse erfreute sich zunehmender Beliebtheit als Freizeit- und Wagenpferd, besonders in der Reittouristik, bei Forstarbeiten und bei innerbetrieblichen Transporten. So wurde laut Zuchtziel ein sehr Konstitutionhartes und robustes Pferd verlangt mit ausgeglichenem Temperament, sehr umgänglich und leistungsbereit (siehe Anlage 8). Ende der 80-er Jahre deckten durchschnittlich 10 Haflingerhengste des Hengstdepots Redefin im Bereich der PZD Nord. freilaufende Haflingerhengste waren und sind heute immer noch ein großartiges Schaubild der Hengstparaden des Landgestütes Redefin.
Im VEG (Z) Tierzucht Lewitz (Kreis Ludwigslust) werden seit ca. 1967 Pferde der Rasse Lewitz- Schecken gezüchtet, deren besonderes Merkmal eine Rapp- oder Braunscheckung ist. Stammväter dieser Zucht sind die Hengste "Salto" und "Sekt", sowie die Stammütter "Resi" und "Rosi". Ihre Nachkommen begründeten auch an anderen Orten in Mecklenburg und Vorpommern kleinere Zuchten. Diese Rasse wurde als Kinder-, Freizeit- und Sportpferd mit einer Wiederristhöhe von 130- 135 cm gezüchtet. Die Zucht des Lewitzer Schecken wird auch heute von dem neuen Besitzer des Gutes Lewitz, Paul Schockemöhle, fortgeführt. Er hat neue Hengste mit der Scheckfarbe nach Mecklenburg- Vorpommern gebracht, zur Blutauffrischung und Vergrößerung der Wiederristhöhe.
Im Jahre 1946 wurden zur Erzeugung von Wirtschaftspferden im Landgestüt Redefin 8 Kaltbluthengste eingestellt. Nach dem Entstehen der LPG wurden diese Betriebe die Basis der Zucht des Kaltblutpferdes Mecklenburg- Vorpommerns auf vorwiegend anhaltinischer Grundlage. Pferde dieser Rasse wurden hauptsächlich in der Forst für Pflege- und Rückarbeiten und in der Landwirtschaft für den innerbetrieblichen Transport eingesetzt. 1985 existierten im Bereich der PZD Nord 175 eingetragene Kaltblutstuten. Bis zum Jahr 1990 sollte sich der Bestand auf 190 Stuten erhöhen. Es erfolgten auch Stutenzukäufe aus den PZD Mitte und Süd. Durchschnittlich wurden 10 Kaltblüter vom Hengstdepot Redefin gehalten.
Sie gehörten vorwiegend den Linien "Espoire de lorette" und "Birkhahn" an (WITT 1987).
Für das Kaltblutpferd bestand folgendes Zuchtziel (siehe Anlage 7):

  • mittlerer Rahmen, Kaliber bei genügender Breite und starker Bemuskelung,
  • Trockenes Fundament mit wenig Behang und gut markierten Gelenken sowie regelmäßig ausgeformten festen Hufen
  • Wiederristhöhe: 158- 162 cm
  • Brustumfang: 180- 200 cm
  • Röhre: 24- 27 cm
  • Lebendmasse: 600- 750 kg

In der Decksaison 1989 stellte das Hengsdepot Redefin noch 12 Kaltbluthengste zur Verfügung. Dieser Hengstbestand sank in den Jahren nach der Wiedervereinigung Deutschlands auf Grund der ungewissen Zukunft des Landgestütes Redefin. 1991 gab es dort nur noch 7 Kaltbluthengste. Bei der Übernahme des Landgestütes in die Landeshoheit wurden die Kaltbluthengste nicht mit einbezogen. Sie wurden in private Hände verkauft. Erst für die Decksaison 1995 wurden wieder zwei Kaltbluthengste in den Beschälerbestand des Landgestütes aufgenommen. Man hatte erkannt, daß diese Rasse in Mecklenburg- Vorpommern ohne die Unterstützung durch das Land wohl zum Aussterben verurteilt wäre, da sie keinen wirtschaftlichen Nutzen mehr erbringen kann und nur noch von Liebhabern gezüchtet wird.
Auch vor der Wende gab es in Mecklenburg- Vorpommern eine Shetlandpony- und Kleinpferdezucht. Sie befand sich vorwiegend in privater Hand von Liebhabern. Diese Pferde wurden als Kinder- und Freizeitpferde genutzt. Im Hengstverteilungsplan der PZD Nord für die Decksaison 1989 waren 17 Kleinpferdhengste und 24 Shetlandpony- Hengste aufgeführt Tab.3), welche alle private Besitzer hatten. Als Kleinpferde wurden alle Pferde mit einer Wiederristhöhe zwischen 115 und 149 cm bezeichnet. Dem entsprechend war auch die Typenvielfalt innerhalb dieser Pferdegruppe. Die Kleinpferde wurden entsprechend ihrer Größe und auf Grund ihres Körperbaus und dem daraus resultierenden Verwendungszweck in die Kategorien B1 bis B4 eingeordnet (siehe Anlage 9).
Die Kleinpferde wurden 1990 als Deutsches Reitpony eingestuft und zusammengefaßt, wobei man vom Deutschen Reitpony im eigentlichen Sinne nur vereinzelt sprechen konnte. Jedoch verbessert sich die Qualität dieser Rasse durch die Einführung erstklassiger Hengste aus anderen Zuchtgebieten ständig. Das heutige Ziel in der Reitponyzucht liegt in der Bereitstellung eines Tunierpferdes für Kinder und Jugendliche, die in allen Disziplinen des Pferdesports entsprechend ihrer Körpergröße eingesetzt werden können. Ist es in anderen Zuchtgebieten schon lange ein gewohntes Bild, so trifft man auch in Mecklenburg- Vorpommern immer häufiger Deutsche Reitponies unter ihren kleinen Reitern auf den Tunierplätzen an.
Auch die Shetlandpony- Zucht war und ist in Mecklenburg- Vorpommern sehr verbreitet und beliebt. Diese Rasse wurde vor der Wiedervereinigung Deutschlands von einigen privaten Liebhabern und in den Tierparks und im Zoo gehalten und gezüchtet. Mit einer Widerristhöhe zwischen 80 und 107 cm, seinem lebhaften Temperament und sehr guter Umgänglichkeit wurde ein vielseitiges, im Kinderreit- und -Fahrsport verwendbares Kleinstpferd gezüchtet (siehe Anlage 10).
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands erlangte die Zucht und Haltung von Ponies, Kleinpferden und Spezialrassen eine große Bedeutung. Neben den oben genannten Rassen haben sich die Rassen Islandpferd, Fjordpferd, New Forest- Pony, Welsh- Pony und Friesen etabliert. Heute sind über die Hälfte der Pferdezüchter, die im Zuchtverband registriert sind, Züchter dieser Pferderassen. Sie sind gleichberechtigte Mitglieder im Pferdezuchtverband. Die Zahl der eingetragenen Stuten hat sich nach einem Rückgang, der bis 1992 zu verzeichnen war, wieder erhöht (siehe Tab. 9).
Der Anteil der eingetragenen Stuten der Kleinpferderassen zum Gesamtbestand der eingetragenen Stuten erhöhte sich von 34% im Jahr 1992 auf 40% im Jahr 1993. Mit diesen Zahlen spiegelt sich die zunehmende Bedeutung der Ponies, Kleinpferde und Spezialrassen wieder. Im Jahr 1994 sank der Stutenbestand jedoch wieder auf 38,5% zum Gesamtstutenbestand. Dies liegt an der deutlichen Zunahme der Züchter des Mecklenburger Warmbluts.
In der Pony- und Kleinpferdezucht besteht noch immer ein großer Nachholbedarf, in der Quantität, besonders aber in der Qualität dieser Pferderassen. Wie schon beim Mecklenburger Warmblut soll auch hier ein rascher Zuchtfortschritt durch den Einsatz von Hengsten aus anderen Zuchtgebieten erreicht werden. Die Hengste befinden sich auch heute noch zum größten Teil in privater Hand. Das Landgestüt Redefin hält jedoch weiterhin Beschäler der Rassen Haflinger, Mecklenburger Kaltblut und einige Reitpony- Hengste.

Tabelle 9: Entwicklung des Stutenbestandes der Ponies, Kleinpferde und Spezialrassen seit 1991

Rasse

eingetragene Stuten: 1991

1992

1993

1994

Mecklenburger Kaltblut

70

84

109

100

Haflinger

480

281

527

490

Shetlandpony

263

201

273

224

Fjordpferd

1

2

15

22

Welshpony

2

2

11

18

Deutsches Reitpony

580

542

693

604

New Forest

-

1

1

1

Islandpferd

6

14

23

31

Englisches Vollblut

-

4

5

8

Araber

-

1

6

7

Trakehner

-

-

17

19

Pinto- Typ Lewitzer*

-

-

-

70

* bis einschließlich 1993 unter Deutsches Reitpony eingetragen

Der Hengstbestand stieg in den Jahren nach der Wiedervereinigung Deutschlands rasch und kontinuierlich an (Tab. 10). Da bei den Ponies, Kleinpferden und Spezialrassen die künstliche Besamung noch nicht so verbreitet ist, wie in der Warmblutzucht, kommt eine größere Anzahl von Hengsten zum Einsatz.

Tabelle 10: Entwicklung des Hengstbestandes der Ponies, Kleinpferde und Spezialrassen seit 1991

 

1991

 

1992

 

1993

 

1994

 

Rasse

PB

LB

PB

LB

PB

LB

PB

LB

Englisches Vollblut

-

9

2

10

2

8

3

7

Kaltblut

-

8

3

5

4

2

4

2

Araber

5

1**

9*

1**

9*

1**

10***

1**

Friesen

-

-

1

-

1

-

1

-

Haflinger

1

9

4

8

11

8

6

7

Fjordpferd

1

-

2

-

4

-

3

-

Welsh- Pony

2

1

2

-

4

-

7

-

Shetland- Pony

34

-

27

-

25

-

30

-

Deutsches Reitpony

24

1

26

2

34

3

23

4

Islandpferd

2

-

3

-

8

-

4

-

Pinto- Typ Lewitzer

-

-

-

-

-

-

7****

-

Pinto- Huntertyp

-

-

-

-

-

-

1

-

gesamt

69

29

79

26

102

22

99

21

* darunter zwei zugelassen für Mecklenburger Warmblut und Ponyzucht
** zugelassen für Mecklenburger Warmblut und Ponyzucht
*** darunter zwei zugelassen für Mecklenburger und Ponyzucht sowie ein zugelassen für Mecklenburger
**** bis einschließlich 1993 unter Deutsches Reitpony eingetragen

Neu für Mecklenburg- Vorpommern ist die Prüfung der Ponies auf ihre Eigenleistung. Reitponiestuten nehmen gleichberechtigt mit den Warmblütern an Stations- oder Feldprüfungen teil und konnten mit beeindruckenden Leistungen ihre Veranlagungen unter dem Reiter und im Freispringen unter Beweis stellen. Häufig plazierten sie sich auf forderen Plätzen. Das Landgestüt Redefin hat eine jährliche Hengstleistungsprüfung für Pony- und Kleinpferdhengste -Zuchtrichtung Fahren eingerichtet. Die Hengste müssen ihre Veranlagung in den Grundgangarten Schritt und Trab zeigen sowie Fahraufgaben und eine Geländeprüfung vor dem Wagen absolvieren. Unter den im Jahr 1993 geprüften 19 Hengsten waren 12 Shetland-Ponies, 6 Welsh- Ponies und 1 Reitpony aus den Ländern Mecklenburg- Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein- Westfahlen, Sachsen, Schleswig. Holstein und Thüringen (ZUCHTREPORT 1993). Im Jahr 1994 fand diese Hengstleistungsprüfung einen noch größeren Zuspruch von den Hengsthaltern aus dem gesamten Bundesgebiet. Dies spricht für den Bedarf und die Qualität der vom Redefiner Team durchgeführten Prüfungen in der Zuchtrichtung Fahren.
Die Zucht von Ponies, Kleinpferden und Spezialrassen in Mecklenburg- Vorpommern ist eine große Bereicherung für die Pferdeliebhaber in diesem Bundesland. Das breite Rassenspektrum ermöglicht es, Pferde für jeden Zweck und Geschmack bereitzustellen. Nicht ausschließlich der Pferdesport, sondern auch die Freizeitreiterei und das Kinderreiten sind wichtige Aspekte in der Pferdezucht geworden. Wie in anderen Zuchtgebieten werden die Freizeitreiter den überwiegenden Anteil der Pferdeliebhaber ausmachen. Dies ist ein Absatzmarkt für Pferde, der nicht unterschätzt werden darf und für den geeignete Pferde bereitgestellt werden müssen.